Wickroggen einarbeiten

Bodenbearbeitung, Kompostierung, Düngung

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Wickroggen einarbeiten

Beitrag von Papaja » So Apr 28, 2019 19:41

Hallo,
bin soeben aus dem Ulaub zurückgekommen und war baff, dass der Wickroggen inzwischen eine Höhe von ca. 1,2 m erreicht hat. Habe heute diese Riesenmassen abgeschnitten und versucht, den Rest in den Boden einzuarbeiten. Dies ist allerdings wesentlich schwieriger als in der Literatur beschrieben. Von wegen 'krümelige Struktur': Ich habe nun ein hartes, versichtetes Stoppelfeld, ungefähr wie Rasen, trotz der vielen Wurzeln. Ob der Boden letztlich zu trocken ist? Zwar war der Boden heute recht nass, aber doch nur an der Oberfläche.
Hat hier jemand eine Idee, wie ich wieder anbaufähigen Boden erhalte?

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Hapy
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Re: Wickroggen einarbeiten

Beitrag von Hapy » So Apr 28, 2019 20:42

Um näher auf Deine Fragen eingehen zu können, wären noch einige Informationen wichtig.

Wie sieht Dein Boden generell aus, also vor der Aussaat von "Wickroggen"?
Was verstehst Du unter "in den Boden einarbeiten? Umgraben? Einhacken? …?
Wo hast Du Deinen Garten? Wie trocken oder feucht war da das bisherige Wetter?

Was hast Du mit den abgeschnittenen "Riesenmassen" gemacht?

Gründüngung bedeutet eigentlich, dass eine Zwischenfrucht angebaut wird, die Luftstickstoff binden kann. Das sind i.d.R. Leguminosen, die mit Hilfe von Knöllchenbakterien Stickstoff anreichern. Die so entstehende Grünmasse wird dann in den Boden eingearbeitet und der Stickstoff so der Nachfolgekultur zur Verfügung gestellt. Welche Rolle der Roggen dabei spielt, kann ich nicht sagen. Zumindest werden sich die Pflanzen nach dem Einarbeiten langsam zersetzen und so die Struktur des Bodens verbessern und weitere Nährstoffe freisetzen. Ob das die Wurzeln alleine schaffen?

Je nachdem, wie Dein Boden beschaffen ist, braucht es entweder große Veränderungen durch hinzufügen von Strukturbildnern oder Kompost und viel Geduld und Zeit (Jahre) um die Bodenstruktur zu verbessern.

Vielleicht kann eine Bodenanalyse darüber Aufschluss geben, welche Maßnahmen hier sinnvoll sind. Gartenbauvereine bieten hin und wieder derartige Analysen (mit Düngeempfehlungen) an.

Solltest Du hier ein Foto Deines Bodens beifügen können, könnte uns dieses grobe Hinweise auf die Beschaffenheit Deines Bodens geben.

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Re: Wickroggen einarbeiten

Beitrag von Mia » So Apr 28, 2019 22:13

Hallo Papaja, :smile:

Wickroggen ist eine Kombi aus Winteroggen und Winterwicke, Hapy.
Die Wicke sammelt als Leguminose Stickstoff mit ihren Knöllchenbakterien, der Roggen durchwurzelt den Boden - und zwar heftig - und dient dazu, Unkraut zu unterdrücken. Das Zeug wird (häufig) in der Landwirtschaft verwendet, das abgeernte Grünzeug dient als Viehfutter oder wird in die Biogasanlage gegeben.
Nach dem Schnitt werden die Stoppeln des Roggen untergepflügt. Dadurch wird der Boden neu gelockert, die Roggenwurzeln werden zerstört, und sie zersetzen sich dann.

Tja, ich wurde sagen, Papaja, besorg Dir mal einen Pflug. Eventuell auch einen Ochsen, als Zugtier?
Aber nun: Spaß dringend beiseite!
Diese Kombi mit dem Roggen ist wohl nichts für den Kleingarten.
Du kriegst dessen Wurzelstärke mit den Fingern am Spaten nicht weg.
Ich meine, man sieht das nicht, wenn man sich zum ersten Mal in Gründünger einliest, und man ahnt nicht, dass die starke Durchwurzelung des Bodens zu Problemen führen könnte.
Gut, wenn der Boden richtig nass gewesen wäre, hättest Du noch eine kleine Chance gehabt. Aber eigentlich auch nur durch Abheben der oberen Wurzelschicht, und die kann gut 15 bis 20 Zentimeter betragen, wobei das Abheben ja Quatsch wäre, denn Du opferst dabei ja guten Boden.
Also, was tun?

Bleibt nur, Dein abgeerntetes Grünzeug wieder dick drauf zu schmeissen, so dass Hitze entsteht und Gärung, und die Roggenwurzeln darunter von selber etwas eingehen. Wenn sie dick damit belegt sind, können sie nicht überleben, sie müssen sich zwangsläufig zersetzen. Begeisterte Regenwürmer werden Dir helfen. Dazu halte Deinen dicken Mulch feucht. Falls es in den nächsten Tagen und Wochen ebensowenig regnet wie im letzten Sommer, solltest Du regelmäßig Wasser darüber sprühen.
Nach einem Monat oder so, kannst Du dann nochmal versuchen umzugraben, dann wird es leichter gehen.

Tut mir leid, Dir nichts angenehmeres sagen zu können.
Und mach das nicht noch mal, mit dem Roggen, solange Du keinen Pflug hast! :wink:
Ich habe Deine Frage damals nicht gelesen, sonst hätte ich Dir damals schon vermutlich abgeraten.
Aber ich hatte Dir zu Gründung unter neu zu säendem Rasen abgeraten, eben wegen der Wurzeln.
So richtig gute, starke Graswurzeln, wie die vom Roggen, können schon mal eine ganze Fläche für den kleinen Hausgebrauch plattlegen.
Ich hätte es damals aber auch nur halbwegs geahnt - nicht wirklich gewusst. Trotzdem hätte ich dir, in Anbetracht des absolut trockenen Sommers, vermutlich abgeraten.
Nimm in Zukunft im Kleingarten als Gründung etwas, was leichter weggeht! Bei dem die Wurzeln drinbleiben und von sich aus absterben.
Alles mögliche, nur keine Gräser!

Lieben Gruß
Mia
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Re: Wickroggen einarbeiten

Beitrag von Papaja » Mo Apr 29, 2019 07:51

Liebe Mia, hab vielen Dank für deine Antworten. Ohjemine!
Ja, der Boden ansich ist nicht das Problem, das ist guter Riedboden, eigentlich immer sehr einfach zu handlen. Die abgeschnittenen Pflanzen habe ich mit der Schubkarre abgefahren und auf einen Haufen geworfen, eine Art 2. Komposthaufen, für sperrigere Dinge. Ok, ich könnte das Zeug wieder holen, aber die Aussicht, noch einen Monat zu warten . . . Vor allem möchte ich die vorgekeimten Kartoffeln in die Erde bringen. Meinst du nicht, dass ich das trotzdem mit einzelnen Pflanzlöchern machen könnte und vielleicht drumherum die Mulchdecke anlegen?

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Re: Wickroggen einarbeiten

Beitrag von Mia » Mo Apr 29, 2019 16:24

Ja, mach das Papaja, :smile:

das mit den Kartoffeln und Mulch drumherum ist eine sehr gute Idee!
Man kann ja Kartoffeln auch einfach in Löcher im Rasen oder in der ( kurzgeschnittenen) Wiese pflanzen, und sie lockern den Boden von sich aus. Wenn Du drumherum noch Mulch legst, hilfst Du ihnen, die Wurzeln des Roggen zu sprengen. Super! Gute Idee!
Das mit der Wiese und Kartoffeln habe ich auch schon gemacht, und ich hab dann immer Rasenschnitt auf den kleinen Kartoffelpflanzen verteilt, denn mit Erde anhäufeln konnte ich sie ja nicht. An den Stellen wo sie standen, hinterlassen sie einen garen, recht guten Boden.
Also, ich habe sie auch schon benutzt, um wilde Wiese umzubrechen und urbar zu machen.

Vielleicht wäre das auch nicht so schlimm geworden mit dem Roggen, wenn Du direkt vor zwei, drei Monaten begonnen hättest ihn unterzuarbeiten. So konnte er seine ganze Kraft auf dem Beet entfalten. Konnte alles gut durchwurzeln, unterstützt von der Wicke.
Tja, nu, so lernt man.
Aber die Kartoffelidee ist Klasse!

Gutes Gelingen! Und: das wird funktionieren!
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Re: Wickroggen einarbeiten

Beitrag von Papaja » Mo Apr 29, 2019 21:49

Ganz herzlichen Dank, Mia!
das gibt mir wieder Mut. Bin gespannt, was aus dem 'Projekt' wird. Ich werde gleich morgen loslegen :grin:
Das ist für mich erstaunlich, dass Kartoffeln sogar im Rasen wachsen, das eröffnet ja ganz neue Perspektiven. Ich habe auch noch eine stark verunkrautete Fläche. Ich werde es auch dort ausprobieren: Katoffeln und Mulch :smile:

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Re: Wickroggen einarbeiten

Beitrag von Mia » Mo Apr 29, 2019 22:17

Und die kleinen Kartoffelpflanzen immer schön mit Rasenschnitt oder sonstigem lockeren Grünzeug "anhäufeln", ja?
Sonst kommen teilweise die Knollen, die sie bilden wollen, zu sehr an die Oberfläche und werden grün.

Du machst das!
Das wird schon!

Und berichte irgendwann mal wie es war!!!!!

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Re: Wickroggen einarbeiten

Beitrag von Mia » Mo Apr 29, 2019 23:52

Ich habe hier noch einen link für Dich kopiert, damit noch mal klar wird, warum Kartoffeln die Bedeckung brauchen. : https://paradies-am-lusen.de/heukartoffeln/

Jetzt machst Du das ja nicht so, dass Du die Tüften einfach auf den Boden legst, sondern Du machst erst ein gutes Loch, am besten mit der Gartenkralle. Dieses dreizinkige Gerät lässt sich auch bei Roggenwurzeln etwas drehen, und somit gelingt es, den Boden etwas zu lockern.
Das erleichtert den Kartoffeln das erste Hochkommen.
Also: Loch machen, vorgekeimte Tüfte reinlegen - und Erde drauf.
Drumherum gut mulchen. Sobald die kleinen Pflanzen 15 cm hoch aus dem Boden gucken, mit Rasenschnitt oder Heu oder sonstigem Grünzeug locker bedecken, so dass die Blätter oben gerade noch herausgucken. Dieses Bedecken AUF den Kartoffeln immer wieder weitermachen, normalerweise werden sie ja mit Erde angehäufelt.
Das Mulchen drumherum auch immer weitermachen, die Roggenwurzeln sollen ja eingehen!
Und dann wird das auch!

Ich hoffe, jetzt ist das Prinzip richtig klar, ja?

Mia
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Re: Wickroggen einarbeiten

Beitrag von Papaja » Di Apr 30, 2019 21:50

Liebe Mia, nochmals herzlichen Dank, dass du dich so ausführlich meines Problems angenommen hast.
Hab heute bereits Kartoffeln in die Erde gebracht, das ging schon ganz gut. Morgen gehts weiter und dann - schauen wir mal :smile: Ich melde mich ...

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Re: Wickroggen einarbeiten

Beitrag von Papaja » Do Jun 20, 2019 13:06

Liebe Maja, inzwischen ist einige Zeit vergangen und ich würde sagen, unser Plan ist aufgegangen und ich bin ganz begeistert (ich glaube, ich mache das nun immer so) :hallo: : inzwischen sind die Kartoffeln wunderbar gewachsen und die Mulchdecke liegt immer noch drumherum auf den Stoppeln. Ich habe mir überlegt, es erstmal dabei zu belassen, vielleicht, bis die Kartoffeln geerntet sind. Es sieht zwar etwas ungewöhnlich aus, aber das macht ja nichts :grin:). Ich bin dir also wirklich zu Dank verpflichtet!

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Re: Wickroggen einarbeiten

Beitrag von Mia » Do Jun 20, 2019 13:59

Prima, ich freue mich! :hallo:
Aber die Idee stammte ja von Dir!
Ich habe Dich lediglich mit Rat unterstützt!

Lieben Gruß,
Mia

Gegen Maja habe ich auch nix. Klingt gut. Vielleicht ändere ich mal meinen nick. :wink:
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