Insektenfreundliches Umgraben?

Bodenbearbeitung, Kompostierung, Düngung

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Alexander
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Insektenfreundliches Umgraben?

Beitrag von Alexander » Di Aug 01, 2017 19:46

Hallo zusammen,

ich habe einige Zeit gegoogelt, aber keine wirkliche Antwort finden können, daher versuch ich es mal hier.

Wir gärtnern nun im dritten Jahr ein wenig mit Gemüse herum. Es ist doch mehr als ein Kräuterbeet, wir handhaben es aber nach dem Motto, was nicht (weitgehend) von allein wächst, wächst halt nicht. Mit Tomaten und Zucchini läuft das z.B. ganz gut, mit Kohl weniger, der ist offenbar heiß begehrt unter den kleineren Wesenheiten.

Chemie kommt natürlich nicht in Frage.

Ich habe ein paar kleine und größere Beete angelegt, und wir haben auch sowas wie eine gemähte Rasenfläche, ein Drittel des Gartens ist aber grundsätzlich vollkommen verwildert. Zum einen lassen wir einen Teil permanent wild wachsen, was uns bereits klischeemäßigen Ärger mit den Nachbarn bereitet, zum anderen sollen sich die Beete nach 1-2 Jahren Bewirtschaftung erholen können, indem sie eine Zeit lang sich selbst überlassen bleiben.
Erstmalig nun befindet sich ein solches Beet sozusagen in voller Pracht. Neben üblichen Gewächsen wie Brennesseln und Beifuß wächst da noch ne Wildblumenmischung usw. Zum Teil sind die Pflanzen gut 2 Meter hoch, und alles brummt und summt, Schmetterlinge, Grillen, und sogar nen Grashüpfer haben wir schon gesehen.
Es tut mir regelrecht leid, wenn ich an das kommende Frühjahr denke. So lange wollt ich warten, aber dann brauch ich die Fläche wieder. Schätze mal, dass ich bis Mitte April/Anfang Mai den Kompost untergemischt haben sollte.

Nun die Frage:
Wie mache ich das, ohne die Insektenwelt zu stark zu beeinträchtigen? Es soll ja nicht alles vorm Schlüpfen schon wieder kaputt gehen, was sich da vielleicht in diesem Jahr verpuppt oder sonstwie eingenistet hat.
Wann wäre also der beste Zeitpunkt? Schlüpft alles gleichzeitig im April/Mai? Gibt es vielleicht eine Art Stichtag, ab dem man auf der sicheren Seite ist? Ein bisschen würde ich den Zeitpunkt des Pflanzens ja verschieben, selbst wenn dann nicht mehr ganz ideal.
Und wie gehe ich vor? Eigentlich wollte ich richtig umgraben, um die alten Pflanzenreste gleich als zusätzlichen Kompost zu verwenden. Vorher müsste ich vermutlich in Bodennähe mit der Heckenschere drüber. Nur ist richtig umgraben ja bekanntlich besonders schlecht für den Boden und was sich drin tummelt. Anders aber sehe ich kaum ne Möglichkeit, das Beet wieder nutzen zu können, denn die alten Stengel da drin erreichen schon beachtliche Dicken, die Wurzeln sind entsprechend, und auch der Kompost muss ja irgendwie nach unten, oder würde es reichen, ihn oben drauf liegen zu lassen?
Oder kann man tatsächlich sogar ganz auf das Umgraben verzichten, und den alten Kram einfach im Boden lassen? Dann würde ich das Gemüse gezielt in die gekürzte Stengellandschaft setzen, und müsste aber, aufgrund der vielen Stengel, auch auf oberflächliches Auflockern drum herum verzichten.
Und das abgemähte Grünzeug, auf den Kompost damit, oder lieber vorsichtig in eine Ecke verfrachten, weil auch da Kokons dran hängen könnten?

Tue ich den Insekten am Ende womöglich gar keinen Gefallen mit dem immer wieder wechselnden, temporären Wildwuchs, weil sie woanders viel besser aufgehoben wären?


LG
Alexander

Mia
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Re: Insektenfreundliches Umgraben?

Beitrag von Mia » Mi Aug 02, 2017 19:20

Sehr schön und sehr fürsorglich, was Du schreibst, Alexander. :smile:
Ich kann Deine Gedanken sehr gut nachvollziehen, ich denke ähnlich.

Und nun: wenn Du das Beet nutzen willst, sollte alles alte Pflanzenzeug ab, es sollte umgegraben werden und die Wurzelstrünke entfernt werden.
Ich mache es so, dass ich das oberflächliche Pflanzenzeug auf einen Haufen in einer Gartenecke werfe, dann kann alles was darin lebt noch schlüpfen. So mache ich es auch mit Laubmulch, den ich im Herbst auf Beeten verteilt habe, denn darin sitzen oft Larven, die noch schlüpfen wollen. Mit dem Abräumen ( und sichern) kannst Du aber schon Mitte April beginnen, ganz sicher Ende April, das ist ohnehin die Zeit, in der die meisten Kleinen frisch und fertig ins neue Leben starten. Und falls du ein paar Tage zu früh bist, bleiben die Pflanzenreste ja noch eine Weile liegen, bevor sie wegzutrocknen oder zu kompostieren beginnen.

Die Wurzeln mach mit dem Spaten aus, und schmeisse sie zu dem Haufen. Grabe das Beet um und harke. Falls Du fertig gut vererdeten Kompost hast, kannst Du den mit eingraben. Falls der Kompost noch säuerlich ist und zu viele unverarbeitete Fasern und klebrige Stellen aufweist, ist es Rohkompost, der nach dem Umgraben und Harken nur oberflächlich auf's Beet kommt, vielleicht 5 cm stark. In beiden Fällen kannst nun Saatrillen anlegen und säen, oder kleine Löcher buddeln und vorgezogene Pflanzen einsetzen.

Die Bodenlebewesen sind natürlich nun geringfügig durcheinander gebracht, wenn Du umgräbst. Aber da du nicht tiefer als 30 cm umgraben wirst, ist das noch völlig in Ordnung. Du bleibst damit in der obersten Humusschicht, Du bringst keinen unfruchtbaren Unterboden nach oben, mit dem sie etwas Probleme hätten. Außerdem gibst Du ihnen dadurch Sauerstoff, was sie mögen, und guten Kompost, den sie sehr mögen. Sie werden sich leicht und freudig umstellen und sich ordentlich vermehren.

Wenn Du dieses Beet im dritten Jahr wieder leer lassen willst, nimmst Du nicht einfach was sich ansiedelt (Brennnesseln und Beifuß) , sondern säst über den Sommer meinetwegen Ringelblumen und einjährige Lupinen oder einjährige Wildblumenmischung , und über den Winter Gründung drauf, das kann auch nur Spinat oder nur Feldsalat sein. Laub darauf als Mulch.
Diese gesamten Wurzeln musst Du im Frühjahr dann nicht ausmachen, und einfaches Durchgehen mit dem Grubber oder dem Sauzahn reicht.
Die Sommerblumen frieren im Winter eh ab, Du kannst sie also schon im September/Oktober wegnehmen, wenn Du willst.
Leg die Stängel auf einen Haufen, die kleinen, lebenden Viecher darauf, sie schlüpfen im Frühjahr doch.

Es gibt viele so kleine Tipps.
Frischen Mist gibst Du zum Beispiel im Herbst in den Garten, den kannst Du leicht eingraben oder aufstreuen, bevor Du ihn im Frühjahr etwas einarbeitest. Dann hat er über den Winter seine Schärfe verloren und schädigt die Wurzeln nicht mehr. Willst Du frischen Mist im Frühjahr verwenden, solltest Du ihn erst verjauchen. Mit Mist hast Du eine Grunddüngung für Kohlgewächse gelegt. Sie gedeihen nun kräftiger und können möglicherweise auch den ersten Befall der "kleineren Wesenheiten" besser wegstecken. Sonst musst Du Kohlpflanzen tatsächlich etwas schützen, bis sie der Gefährdung entwachsen sind.

Letzter Punkt Deiner Fragen:
Insekten denken nicht in längeren Zeiträumen, weil ihre Lebenszeit nur sehr kurz ist. Bestäubenden Insekten macht es Freude, pollen-und nektarreiche Blüten zu finden, und sie unterscheiden da nicht, ob die auf einem Beet links oder rechts liegen, oder auch 3 Gärten entfernt.
Auch überwinternden Insekten ist es völlig wurscht, wie Du Deine Beete anlegst. Die suchen mit offenen Instinkten im Spätsommer und Herbst Plätze, die sich für ihre Brut eigenen könnten. Ob da im Vorjahr schon etwas stand, was ihnen entsprach, ist gleichgültig, Hauptsache: JETZT ist etwas da!

Dennoch: EINE Brennesselecke würde ich lassen! STÄNDIG! Ohne Wechsel. Da herrscht ein gutes Bodenleben und eine gute Fluktuation an vielen kleinen Insekten.

Ich hoffe, ich habe Dir geholfen.

Lieben Gruß,
Mia
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Alexander
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Re: Insektenfreundliches Umgraben?

Beitrag von Alexander » Do Aug 03, 2017 12:51

Liebe Mia,

das hat sehr geholfen, vielen Dank für Deine ausführlichen Ratschläge!
Ich bin nun beruhigt, und denke es schon so hinzubekommen. Nur mit der Kompostmenge könnte es schwierig werden. Wenn müsste ich von außerhalb zukaufen. Aber müssen ja auch nicht immer Starkzehrer sein..

Lg
Alexander

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Re: Insektenfreundliches Umgraben?

Beitrag von Mia » Do Aug 03, 2017 17:00

Nimm einfach den Kompost, den Du hast, Alexander. :smile:

Für weiteren Dünger kannst Du schon im April anfangen Brennesseljauche anzusetzen. 1 Kilo grob zerschnittene Brennnesseln ( immer VOR der Blüte) auf 10 Liter Wasser, Eimer mit einem Deckel schräg abdecken, damit es nicht reinregnet und keine Vögel ertrinken - aber Luft an die Jauche kommt. Regelmäßig umrühren, nach zwei bis vier Wochen ist das stinkende Zeug fertig. 1:10 mit Wasser verdünnen und damit gießen.
Das ist guter Stickstoffdünger ( N). Mehr Kali erhältst Du, wenn Du zerkleinerte Beinwellblätter mit reingibst, die haben auch viel Stickstoff, aber eben auch Kalium ( K) . Optimal für Tomaten und Paprika, aber auch für alles andere im Garten.

Lieben Gruß,
Mia
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Re: Insektenfreundliches Umgraben?

Beitrag von Alexander » Sa Aug 05, 2017 09:58

Da hab ich schon ein bisschen Erfahrung mit:)
Die Jauche dümpelt stinkend in einem fast geschlossenen Fass umher, und der Beinwell ist immerhin schon im Garten angesiedelt, und wartet auf seine Ausbreitung.
Die Tomaten sind in weiten Teilen Opfer des Regens geworden, fürchte ich. Aber die Paprika wachsen ganz gut:)

Trotzdem will mir das ja nicht so ganz in den Kopf. Im Grunde müsste doch alles, was wir aus den Beeten rausessen, auch rein massemäßig wieder drauf, oder?
Hätte ich jetzt exakt die Menge kompostiert, ok.. aber das geht ja nunmal nicht, den wassergespülten Toiletten sei Dank (ein paar Dinge auf der Welt sind doch ganz in Ordnung, noch). Wir sind da auch sehr wählerisch, nur zweifelsfrei ungiftige Dinge kommen auf den Haufen. Klar, da wird auch mal was zugekauft, aber da hat man dann Aufkleber auf den Bananenschalen, der Apfel wird ohnehin mit Kerngehäuse gegessen, und sind wir mal mangels Angebot gezwungen "nicht-bio" zu essen, kommen die Reste auch nicht auf den Kompost. Aus diesen Gründen würde ich auch keinen fremden Kompost zukaufen wollen.
Unterm Strich ist es leider wirklich sehr bescheiden, was nach den Regenfällen noch vom Kompost verblieben ist, von 2 Jahren.
Wenn ich da also über Jahre feste Dinge wie Kartoffeln, auch mal nen Kohl, usw. raushole, dann müsste sich das doch eigentlich zeigen, indem die Erde dort langsam weniger wird? Weil das, was rausgeht, ja in rein flüssiger Form kaum wieder ausgeglichen werden kann, oder?
Und selbst wenn ich ein paar Jahre pausiere, und sich in Sachen Mikroorganismen alles gut regeneriert hat, woher kommt dann die entnommene Biomasse? Laub aus anderen Gärten fällt bei uns nicht viel rein:)

Mia
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Re: Insektenfreundliches Umgraben?

Beitrag von Mia » Sa Aug 05, 2017 20:18

Hallo Alexander, :smile:

ich habe recht viel Kompost, weil ich auch viele recht hohe Sommerblumen habe ( beginnt schon mit dem hohen Päonienmohn im Frühjahr, der raus muss, weil er sich sonst vieltausendfach ausäen würde) ), dazu Minze ohne Ende. Monatsweise habe ich mehr Grünzeug rumliegen als Platz im Komposter...

Du brauchst da übrigens nicht so aufpassen, mit Bio- oder Nicht-Bio, die Kompostlebewesen bauen selbst das Spritzgift von Orangenschalen ab, gespritzte Bananenschalen sind für Kompostwürmer ein Leckerbissen ( ohne Spritzmittel sicher auch), und bei dem was sie dann ausscheiden sind die Gifte umgewandelt. Ich habe es früher lange selber nicht geglaubt, aber es ist so. Ordentliche Kompostbakterien und ihre noch kleineren Mitbewohner vernichten selbst Giftstoffe. Sie können ja auch Industriebrachen durch ihre Zersetzungsarbeit nach und nach wieder in Böden verwandeln, auf denen mehr gedeihen kann als gar nichts.
Gut, übertreiben würde ich es nicht, mit mieser Nahrung im Kompost, aber seitdem ich es weiß, habe ich keine ängstlichen Sorgen mehr.

Ich habe auch noch keinen Kompost aus einem Kompostwerk zugekauft, obwohl man es sicherlich tun könnte.
Nach dem Vorgang des Kompostierens kann das Zeug sooo giftig nicht mehr sein - egal was reinkam - und den Rest erledigen die Lebewesen unseres Erdbodens.

Ich habe letztes Jahr, für meinen neuen Garten, Kompost von einer Familie bekommen, die zu viel davon hatte, oder jedenfalls nicht wusste, was damit tun. Das war eine ziemliche Ekelangelegenheit. Hier, wo ich jetzt wohne, sind die Kompostbehälter vielfach gemauert und sicher 4x4 Meter im Durchmesser. Da werfen die Leute alles rein was sie haben, vor allem nassen Rasenschnitt. Als ich reingriff, fasste ich erstmal in schwarze, gammelnde, stinkende Matsche. Ich wollt schon wieder gehen und den Leuten sagen: "Behalten Sie DAS lieber selber!", aber als meine Finger etwas tiefer griffen, und ich sie wieder rauszog, hatte ich sicherlich 50 ausgewachsene und kleine und ganz winzige Kompostwürmer als dickes Knäuel in der Hand. Dieses Gewusel war auch eklig, aber es zeugte davon, dass ich mich in einer lebenden Struktur befand, die eindeutig gesund war. Ich habe dann die schwarze Matsche oben weggekratzt und alles mitgenommen was untendrunter war. Dazu musste ich dreimal mit dem Auto fahren, und zwar je 30 Kilometer ein Weg. Aber was tut man nicht alles für anständigen Kompost, gell? :wink:

Interessant ist, dass die Kompostlebewesen die Jahre vorher auch mit schwarzer Matsche klarkommen mussten, denn die Leute hatten ihren Kompostierstil garantiert nicht geändert. Von den vorjährigen Matschschichten war aber nichts mehr zu sehen oder zu spüren, die waren weg, nur noch schwarzbrauner, relativ wohlriechender Kompost, extrem durchsetzt mit Würmern. Also, auch üble Fäulnis hatten die Kompostlebewesen verarbeiten können! - Trotzdem würde ICH natürlich NIE so schichten! Würde ich auch niemandem anraten!

Nun Deine letzte Frage:
Wenn ich da also über Jahre feste Dinge wie Kartoffeln, auch mal nen Kohl, usw. raushole, dann müsste sich das doch eigentlich zeigen, indem die Erde dort langsam weniger wird? Weil das, was rausgeht, ja in rein flüssiger Form kaum wieder ausgeglichen werden kann, oder?
Ja. Du solltest das, was Du wegerntest, schon wieder hinzufügen. Nicht nach Gramm und Kilo, sondern als düngende Energie. Nicht die Erde wird weniger, aber ihr Gehalt an Nährstoffen, denn die Pflanzen 'futtern' die ja. Also, es ist schon angesagt, diese verbrauchte Energie immer wieder zu ersetzen, sei es durch Kompost, Dünger, Mulch, Laubmulch, Gründüng, Jauchen und für Starkzehrer auch durch Mist. Wobei man mit Mist den Boden richtig mit Stickstoff aufpeppt.

Für heute einen lieben Gruß,
Mia
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Re: Insektenfreundliches Umgraben?

Beitrag von Alexander » Mo Aug 07, 2017 18:06

Hm, na wegen der Gifte bleib ich pingelig, schon aus Prinzip. Aber die Sorge hast Du mir dennoch ein Stück weit genommen:)

Gut zu wissen, dass es nicht nach Gramm und Kilo sein muss; das hatte ich bisher geglaubt, dass die Erde wirklich weniger wird. Und das mit den Nährstoffen bekomm ich hin :smile:

Nochmals lieben Dank und einen guten Wochenstart!

Alexander

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Re: Insektenfreundliches Umgraben?

Beitrag von Hapy » Mo Aug 07, 2017 19:53

Für Biomasse gibt es keine einheitliche Definition. Unter anderem:
- Gesamtmasse der in einem Lebensraum (Ökosystem) vorkommenden Lebewesen
- Gesamtheit von lebendem, totem und zersetztem organischen Material
- Die durch Photosynthese entstandenen Substanzen (Bruttophotosynthese)
- Gesamte Zellsubstanz von Pflanzen, Tieren oder Mikroorganismen, die als Rohprodukt in der Biotechnologie, zur Energiegewinnung, in der Land-, Forst- und Fischwirtschaft, zum Teil in besonderen Biomasse-Farmen (Energiefarmen, Algenfarmen [Algenkulturen, Meereswirtschaft]), gewonnen und verwertet wird.

Alexander, ich gehe jetzt mal davon aus, dass Du mit Biomasse all das meinst, was an Gartenabfällen in den Kompost gelangt oder als Gemüse, Obst zum Verzehr entnommen wird.

Woraus setzt sich diese Biomasse zusammen? Im Wesentlichen aus Wasser, Kohlenhydraten, Fett, Proteine, Mineralstoffe. Wasser kommt vom Regen und Kohlenhydrate und Fette stammen aus der Photosynthese (aus Kohlendioxid und Wasser und Sonnenlicht als Energiequelle). Für die Proteine kommt noch Stickstoff und Schwefel und Phosphor (aus dem Boden) hinzu. Bei der Kompostierung werden nun Kohlenhydrate, Fette und Proteine abgebaut, bzw. durch Mikroorganismen (und anschließend vom Tieren (z.B. Springschwänzen, Regenwürmern Käferlarven)) verwertet. Alle Komponenten gelangen in den Kreislauf zurück, einige verschwinden in die Atmosphäre, aus der sie kamen und andere (z.B. die Mineralstoffe Teile des Stickstoffs, Schwefel, Phosphor Kalium, ...) verbleiben im Kompost und werden letztendlich wieder im Garten verteilt. Es ist verständlich, dass aus einem großen Haufen von Gartenabfällen hinterher nur ein kleiner Haufen Kompost übrig bleibt.

Auch der Teil an Biomasse, den wir in Form von Kartoffeln oder Kohl zu uns nehmen, wird zur Energiegewinnung in unserem Körper zu Wasser und Kohlendioxid abgebaut. Verbleiben einige Mineralsalze und organische Substanzen, die zusammen mit nicht verdauten Kohlenhydraten (i.d.R. Rohfaser) ausgeschieden werden. Dieser Anteil geht dem Nährstoffkreislauf im Garten verloren. Wasser, Sauerstoff und Kohlendioxid sind in unserer Umgebung reichlich vorhanden. Andere Elemente müssen natürlich ersetzt werden, um die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten.

Was die Verwertung von Produkten, die nicht als "Bio" gekennzeichnet sind, hat Mia recht. Zum einen werden Bioprodukte wie normale Produkte verkauft, wenn ein Überangebot besteht. Zum anderen dürfen Produkte aus konventionellem Anbau keine Rückstände von Pflanzenschutzmitteln (oder bei Tieren von Medikamenten) enthalten, bzw. diese müssen unter einem Grenzwert liegen. Das heißt, dass ausgebrachte Pflanzenschutzmittel innerhalb einer Karenzzeit soweit abgebaut sein müssen, dass die Pflanzen, Pflanzenteile gesundheitlich unbedenklich sind. Kleinste Restmengen werden dann bei der Kompostierung ebenfalls abgebaut.

Übrigens gibt es in unseren Gärten jede Menge giftige Pflanzen: angefangen bei den Krokussen und Maiglöckchen, Thuja- und Ligusterhecken, Efeu, Blauregen, bis hin zu Kartoffel- und Tomatenkraut.

Hapy

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