Pflanzenanzucht Tomaten

Unterforum: Aspekte der Pflanzenanzucht
Antworten
Mia
Bio-Genie
Bio-Genie
Beiträge: 3516
Registriert: Fr Jun 04, 2010 22:27
Antispam-Sicherheitsabfrage: 63
Wohnort: östliches NRW
Geschlecht:

Pflanzenanzucht Tomaten

Beitrag von Mia » Di Feb 08, 2022 23:11

1. Vom Samen zum Keimling

Hallo!
Es ist bald Mitte Februar, Gartenliebhaber*innen zucken - in Sehnsucht auf den Frühling - schon die Hände, wann sie endlich die ersten Tomatensamen vorziehen können.

Die Anzucht von Chili und Paprika im Zimmergewächshaus haben wir bereits abgeschlossen, die kleinen Pflanzen zeigen, zwischen den Keimblättern, schon den Ansatz der ersten echten Blätter. Bald wird das Zimmergewächshaus freiwerden, so dass die Tomaten hinein können.

Ein Zimmergewächshaus ist deshalb für die Keimung von Tomaten geeignent, weil sie, ebenso wie Paprika und Chilis, eine recht hohe Keimtemperatur bevorzugen. 20-24 Grad nehmen sie gerne! Gut ist ein Stand des kleinen Gewächshauses - mit Abdeckung! - oberhalb einer Heizung und an einem Südfenster. Dann keimen sie zügig und gedeihen munter.

Alternativ kann man sie in einer 'Keimbox' über einer Heizung/einem Kachelofen keimen lassen. Dazu belegt man einen Tupperdeckel mit Küchenkrepp, bzw. ganz simplen Toilettenpapier, macht das gut feucht, legt die Samen auf, verpackt das Ganze in eine gute, dicke Gefriertüte ( die Fa. Lidl hat solche), schlägt die Seiten nach unten um und klammert sie an den Rändern etwas fest.
aubi Keimtüte.jpg
aubi Keimtüte.jpg (305.67 KiB) 4902 mal betrachtet
Nach einigen Tagen auf einer warmen Heizung sieht es etwa so aus:
Aubi2 Kopie.jpg
Aubi2 Kopie.jpg (169.07 KiB) 4902 mal betrachtet
Spätestens dann benötigen wir aber das Zimmergewächshaus, denn solche Keimlinge müssen nun in die Erde. Und sollten für ihren nächsten Entwicklungsschritt relativ warm und sonnig stehen.

Bei Tomaten bin ich von der Keimbox abgekommen.
Sie ist nur dann ratsam, wenn man in Schubladen viele sehr alte Tomatensamen hat, von denen man nicht weiß, ob sie überhaupt noch keimen werden. Da ist die Keimbox sozusagen die 'Prüfzentrale', ob aus den alten Samen überhaupt noch etwas wird. ( Die Samen darin zu prüfen, das ist immerhin besser, als hoffnungsvoll wochenlang einen leeren Topf zu begiessen, aus dem vielleicht doch nichts mehr wächst.)

In der Regel braucht man eine Keimbox bei Tomaten nicht. Tomatensamen bleiben recht lange keimfähig, ich denke mal, 5 Jahre Lagerung - unter guten Bedingungen - machen den Samen wenig aus. Natürlich wird nach langer Zeit nicht mehr jeder Samen keimen, aber einer von fünf oder zehn, der wird es schon machen.

******
Nun schauen wir uns die Samen an. Entweder habt Ihr sie gekauft, von Freunden ertauscht, oder selbst geerntet.

Wichtig ist, dass Ihr zur Samengewinnung ungefähr die erste gute, gut ausgereifte Frucht Eurer Tomatenstaude nehmt, denn sie hat die 'inneren Anlagen' auch gute, frühe Nachkommen zu zeugen.
( Ein Tomätchen, was irgendwie im Herbst noch dranhängt, schon schwach von heraufziehender Kälte, ist kein guter Samenspender. )

Die Samen Eurer 'guten' Tomate nehmt ihr dann raus, gebt sie in ein Glas mit etwas Wasser, und lasst das Zeug über Nacht, oder auch über den nächsten Tag, darin gären.
Dann tut Ihr sie in ein Küchensieb, und spült den Glibber, der vorher daran hing, unter fliessendem kalten Wasser und dem Reiben mit einem Holzlöffel ab. Nun habt Ihr 'glibberfreie' Samen, die ihr dann in einem kleinen Küchensieb oder auf Küchenkrepp trocknen könnt. So behandelte Samen lassen sich ( trocken, in guten Tütchen/Schälchen) langfristig verwahren.

Es geht im Internet die Mär, dass der ursprüngliche Glibber, der die Samen umgibt, Stoffe beinhaltet, die die Keimkraft hindern. Das stimmt SO vereinfacht nicht!
Ich baue jetzt seit ungefähr 30 Jahren Tomaten an, und viele Freundinnen von mir, lassen ihre Samen NICHT gären, sie spülen den Glibber NICHT ab. Sie legen die frischen  Samen auf Küchenkrepp (mitsamt dem Glibber), lassen sie da trocknen - und diese Samen keimen problemlos auch!
Jupp. Genau. Und zwar innerhalb der ersten zwei Jahre!

Danach scheint die Keimkraft dieser Samen zu sinken.
Ich habe, aus meiner Beobachtung, den Eindruck gewonnen, dass es sinnvoll ist, den 'Glibber' nach dem Prozess des Gärens abzuspülen, und NUR die sauberen Samen , auch über mehrere Jahre, gut in Tütchen oder Schälchen aufzubewahren.

Ich habe den Eindruck, 'Glibberbefreite' Samen keimen auch nach 5, 7 Jahren noch.
Mit 'Glibber' getrocknete, scheinen ihre Keimkraft deutlich eher einzubüßen


So. Das war es für heute.
Morgen schreibe ich hier weiter.

Einen lieben Gruß

Mia
Ich möchte so ein guter Mensch werden, wie meine Hunde von mir glauben, dass ich es bin.

Antworten