Neugestaltung Garten

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Re: Neugestaltung Garten

Beitrag von Carolyn » So Mai 15, 2016 21:21

Ich habe ja "immer schon" Quecken im Garten, aber nicht bis in 50 cm Tiefe. Da gibt es nur Ackerwinde, die geht auch durch den blanken Lehm, der in dieser Tiefe vorkommt. Ich vermute daher, dass sich bei Dir die Quecke wegen der Trockenheit in diese Tiefe verzogen hat, roccalana. Auch Quecken brauchen Wasser und die Wurzeln gehen auf die Suche danach.

Mia, mich wundert, dass Du in der angekarrten Erde keine Queckenwurzeln gefunden hast. Das hieße ja, dass sie sich bei Dir aus Samen und nicht aus den Wurzeln verbreiten. Bist Du Dir sicher, dass sie nicht aus der Erde darunter durchkommen? Wäre für mich irgendwie logischer.
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Re: Neugestaltung Garten

Beitrag von Mia » So Mai 15, 2016 22:27

Nun, es war Dezember, Carolyn, :smile:

als wir nachmittags gegen vier die Erde verteilten. Es war schon etwas dämmrig - und ICH habe absolut keine Queckenwurzeln gesehen.
Und selbst wenn ich sie gesehen hätte, was hätte ich machen sollen? Die Erde lag in einem hohen Berg vor der hiesigen Dorfhalle und musste da weg. Da gab es kein großes Nachdenken, sondern Jungs aus der Nachbarschaft, die mit anpackten und alles auf Schubkarren verteilten. Selbst wenn ich bei den Mengen zwei oder drei Wurzeln gesehen und rausgezogen hätte - was hätte es mir genutzt?

Ich denke schon, sie kommen aus der neuen Erde, denn die Erde, die davon noch in Kübeln steht, ist stark davon durchsetzt.
Und in meinem Garten wachsen sie halt an Stellen, wo ich die neue Erde aufgebracht habe.

LG
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Re: Neugestaltung Garten

Beitrag von fragola » Mi Mai 18, 2016 11:18

Hallo! Unser Garten ist mein Lieblinsplatz. Ich verbringe sehr viel Zeit hier.

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Re: Neugestaltung Garten

Beitrag von Mia » Do Jun 09, 2016 01:36

Hallo! :-)

Das heutige hat zwar nichts mit der Neugestaltung meines Gartens zu tun, eher mit der Gestaltung meines Lebens, aber das ist ja genauso wichtig.
Also, heute sind die ersten fremden Kinder aus dem neuen Ort bei mir aufgetaucht! Mit selbstgepflückten Blümchen! Drei Stück Kinder: Marie -10, Michelle - 9 und im Schlepptau Kate, 3 Jahre. Ich habe ja schon öfter hier erzählt, dass überall wo ich wohne, bald Kinder kommen, die dann nach einiger Zeit zu meinem Tag dazugehören. Nur hier in Warburg kamen bis jetzt keine Kinder, und ich hatte im Gegenteil zu früher den Eindruck, dass Eltern und Großeltern eher vor mir - der Neuen! - und meinen Hunden warnten. Vor allen Dingen vor der armen, süßen, total kinderlieben Labradorhündin Bonnie warnten sie, die ja jetzt, aufgrund einer anonymen Anzeige ( ich würde meinen Hund frei bei Fuß ausführen, was auch stimmt!) in meiner weiteren Familie im Münsterland bei Kindern wohnt. Und dort schert sich niemand, wenn sie - absolut gut erzogen, und auf jedes Winzkommando gehorchend - freiläuft.

Stattdessen habe ich jetzt ein kleines, bissiges Viecherl aus dem Tierschutz, bei dem alle Leute hier der Meinung sind, das sei ein süßer Hund. Proportional zur geringeren Größe ist die Angst gesunken. Der keift zwar (noch) teilweise wie blöd, und der schnappt auch, aber die Menschen sind der Meinung, dies sei ein sehr schöner und angemessener Hund - dem man wenig Böses zutraut. So bescheuert sind Leute!
Also, die Kinder hatten nun die Erlaubnis, mich zu besuchen, nachdem mein neuer Hund im Ort nur an der Leine ausgeführt werden kann/darf, weil er nicht straßensicher ist. Aber: das sieht ja richtig aus! Ein relativ kleiner Hund an der Leine, weiß, mit einen zartbraunen Fleck am Ohr, ein Hund, der, wie die älteren Leute sagen "Flocki" heißen müsste, so sehr entspricht er ihrer Vorstellung von einem Bilderbuchhund! -- Und nun dürfen die Kinder die "Neue" besuchen.

Trotz dieser Verdrehung der Hunde-Tatsachen, habe ich mich riesig gefreut. Ist Schei**e, wenn man seit Studentenzeit gewöhnt ist, dass immer Kinder aus dem Ort da sind - und auf einmal kommen keine mehr. Dann stimmt das eigene Leben nicht mehr richtig.
Ist so eine leise Faszination, die mich mit Kindern verbindet. Sie interessieren mich von Herzen, und ich glaube, das spüren sie auch.
Also, ich spreche die jetzt nicht auf der Straße an, sondern SIE sind neugierig, wie sich das für Kinder gehört. Sie gucken in meinen Garten, sie gucken in meine Fenster, sie stehen am Zaun und linsen herüber. In der Regel haben sie als erstes Fragen: "Warum hat deine Sonnenblume so große Köpfe?" "Warum bellt der Hund, immer wenn ich mit dem Roller komme?" Warum dies, warum das... Und wenn man nur etwas offen ist, dann gibt es halt viel zu erzählen. Das nächste Mal kommen sie und bringen ihre Freunde mit.

Ich freue mich jedenfalls. Das Leben ist - auch in Warburg - wieder richtig. Heute hatten die drei dann die erste Lektion im Umgehen mit einem ängstlichen Tierschutzhund. Und dass die Eltern/Großeltern hier extrem wichtig sind ( anders als in Dortmund z.B.) zeigt sich auch darin, dass wir bei unserem Spaziergang bei den Häusern der Kinder vorbeigehen mussten, das wollten sie, ganz dringend.
Also, die wollten ihrer Familie zeigen: 'Das ist jetzt die Neue aus dem Dorf, die passt ein bisschen auf uns auf, und wir haben den Hund an der Leine, das können wir, und auch darauf passt sie auf!' - In Dortmund, und viel früher in Bochum, waren gleichaltrige Kinder viel freier und ungebundener, das fiel mir deutlich auf.
Jedenfalls, meine "Vorführung" glückte, jeweils zwei Elternpaare, die ihrerseits am Spätnachmittag in Gärten beschäftigt waren, nickten mir freundlich zu und wechselten kurze Worte.
Ist schon verrückt, wie in Landstrichen das Verhalten der Menschen jeweils anders ist.

Lieben Gruß,
Mia
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Re: Neugestaltung Garten

Beitrag von Carolyn » Do Jun 09, 2016 11:25

Meinen Glückwunsch, dass Du endlich einen Weg gefunden hast, Zugang zu Deinen neuen Nachbarn zu bekommen! :hallo:
Vielleicht kannst Du dann ja auch irgendwann mal die verquere Hundegeschichte auflösen und Deine Bonnie zurückholen (falls sie sich mit dem neuen verträgt natürlich - oder eher er mit ihr).
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Re: Neugestaltung Garten

Beitrag von roccalana » Do Jun 09, 2016 12:53

Hallo Mia :blume3:
das hört sich ja wirklich gut an, freut mich für Dich.
Ich liebe übrigens Deine immer wieder schönen "Hundegeschichten".
Mia hat geschrieben:Ist schon verrückt, wie in Landstrichen das Verhalten der Menschen jeweils anders ist.
Stimmt :!: Ein wenig würde ich diesen Satz verändern.
Es ist schon sehr interessant zu sehen, wie unterschiedlich die Menschen sich verhalten, je nach dem, ob sie auf dem Land aufgewachsen sind oder in einer Stadt.
Und dieser Unterschied ist nach meiner Erfahrung in D ganz so wie hier zu beobachten.
Eine gute Zeit
Rita :soleil:
Wer nicht ganz dicht ist, ist wenigstens für alles offen!

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Re: Neugestaltung Garten

Beitrag von Carolyn » Do Jun 09, 2016 13:46

roccalana hat geschrieben:Ein wenig würde ich diesen Satz verändern.
Es ist schon sehr interessant zu sehen, wie unterschiedlich die Menschen sich verhalten, je nach dem, ob sie auf dem Land aufgewachsen sind oder in einer Stadt.
Ja, diesen Unterschied kenne ich auch. Als ich Landei seinerzeit in München angefangen habe zu arbeiten litt ich unter einem regelrechten "Kultur"schock. Städter ticken einfach anders als Landeier.
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Re: Neugestaltung Garten

Beitrag von Mia » Do Jun 09, 2016 22:07

Ja, Ihr habt recht, Carolyn und Rita, :smile:

ich glaube auch: es ist der Unterscheid zwischen Stadt und Land. Für mich ist es umgekehrt etwas wie ein Kulturschock, hier zu sein.
Denn selbst als ich fast 30 Jahre in jener kleinen Stadt im Bergischen wohnte, war die doch so nah an den Metropolen des Ruhrgebiets, oder auch an Köln, war nah an diversen Unis, so dass viele Professoren dort lebten, auch ein paar "Promis" -- also, das war von der Atmosphäre kein Land - obwohl Felder drumherum waren - sondern eher ein intellektuell gehobenes Ding. Ich weiß noch, wie überrascht mein Lizenznehmer aus der Großstadt war, auf der relativ kleinen Hauptstraße sieben hochkarätige "Leckerrestaurants ( neben fünf halbwegs normalen) zu finden, die an einem simplen Dienstagabend alle bis auf den letzten Platz besetzt waren. Der musste mit seiner Tasche voller Geld richtig suchen, um irgendwo noch einen Sitzplatz zu finden. - Und das fehlt mir hier natürlich. Und alles fußläufig!

In den letzten Jahren in Dortmund hat es mir schon gefehlt, aber da konnte man in meinem Vorort zumindest noch einen Griechen finden, einen Chinesen, zig schlechte Italiener. Also, man fand abends etwas. -- Hier gibt es gar nichts, wenn man nicht mit dem Auto fährt. Und gerade abends würde ich gerne fußläufig irgendwo nett auf der Terrasse sitzen und eine ansprechende Kleinigkeit essen und trinken. Drei große Krabben, frisch in Olivenöl gebraten, würden mir ja schon reichen, mit einer winzigen, leckeren Salatbeilage. Oder etwas gebackener Schafskäse in Speck gewickelt, umgeben von frischen Kräutern, in einer Honigmarinade... Die nette Wirtin Ute aus dem Daseburger Hof kommt mit Rührei, Backofenpommes, und aus dem Frost aufgebratenen Schnitzeln daher... :doh: Also, ich bin leider fürchterlich verleckert und verwöhnt. Und hielt das über 30 Jahre für normal!

Der Standart in meinem alten Ort ist auch deshalb so gestiegen, weil er über lange, lange Jahrzehnte das einzige Drei-Sterne-Restaurant weit und breit hatte. Mit Hotel. Da reiste das gesamte Ruhrgebiet an. Aber die, die anreisten, die Bonzen und Oberen, die konnten natürlich auch zahlen. Morgens gingen die Herren dann golfen. Dabei waren die, die dieses Drei-Sterne-Ding betrieben, völlig einfache Leute. Ich habe sie noch persönlich kennengelernt, bevor das Unternehmen Ende der 80ziger Jahre schließen musste. Wegen des Strukturwandels im Ruhrgebiet, waren viele Zechen und die großen Zechenzulieferer geschlossen worden, also "Kohle und Stahl" kamen da nicht mehr hin zum Abendbrot, mit ihren ausländischen Besuchern und ihren Managementgilden, wie sie es seit der Nachkriegszeit getan hatten. Das alte Publikum war weggebrochen und das neue brauchte nicht mehr die elitäre Kombi aus Drei-Sterneküche, Hotel und Golfplatz. Vielleicht haben die Betreiber sich auch nicht genügend weiterentwickelt, denn 7 Kilometer weiter, gedeihen zwei dieser Nobeldinger ( ohne Drei Sterne, aber lecker, und durchaus erschwinglich) in Kombination mit Hotel und Golfplatz immer noch. Da reisen jetzt auch Scheichs an.
Also, das war schon ein recht elitäres Viertel, und deshalb konnte ich mir auch kein Haus dort kaufen. Obwohl ich es gerne gewollt hätte. Aber für den doppelten Preis, mit dem ich hier ein Haus gekauft habe, hätte ich dort eine Drei-Zimmer-Dachgeschosswohnung bekommen, und die auch nur unrenoviert und nach langem Suchen. Ergibt: Ich hätte mir das gar nicht leisten können!

Naja, dann muss ich mir halt die Krabben selber braten! Und das tue ich jetzt. Mit Knoblauch, in Olivenöl. Guten Hunger!

Aber so sind halt auch die Menschen anders. In dieser kleinen Stadt im Bergischen, das war eine Atmosphäre von Freiheit und Intellektualität. Auch die Kinder waren frei, sie waren gut erzogen, zwar sehr behütet, aber dennoch frei. Sie lernten früh sehr vieles.
Für die 10 jährigen Mädels dort war es nahezu normal, einen Tastschreibkurs zu besuchen, damit sie anständig am Computer mit 10 Fingern tippen konnten. Viele Türken oder ausländische Menschen gab es nicht, und wenn, dann gab es jede Menge Initiativen, die sie unterstützten.

In Dortmund hingegen spürte man die Armut. Die Menschen unterschieden sich schon rein körperlich von den Bewohnern meiner ersten kleinen Stadt. Wie viele ältere Leute waren hier körperlich aus den Fugen gegangen und schleppten sich, unter billiger Kleidung, mit allen möglichen offenbar unbehandelten Gebrechen herum. Die Kinder waren toll! Die Grundschule war ja direkt ein Stück neben unserem Haus. Die Kinder waren frei, viel weniger gekümmert als im Bergischen, sie mussten halt ihren Tag irgendwie selbst strukturieren. Das machte, dass die, wie früher wir Kinder auch ( ich auch) , auf der Straße und im Feld spielten. Die Eltern arbeiteten beide, oder falls es nur einen Elternteil gab, und das war eher die Regel, arbeitete der auch. Bei manchen gab es noch eine Großmutter, wo sie hingehen konnten, falls sie sich das Knie aufgeschlagen hatten, aber viele hatten nachmittags auch NIEMANDEN.
Ich habe vorher nie so viel Betaisodonna und Heftpflaster verbraucht, wie in meiner Zeit in Dortmund.
War klar, als einmal durch war, dass ich für alle möglichen inneren und äußeren Verletzungen Beistand leistete, dass viele kamen. Die dann auch im Garten und auf dem Dachboden spielten. Und Bilder malten. Und bastelten. Ich fand das toll. Ich habe sie sehr geliebt.

Na, und hier im Dorf, ist alles wieder ganz anders. Die Kinder sind - für mich - extrem behütet, und sehr im Dorf eingebunden. Jeder kennt jeden und jeder weiß, wo welches Kind sich gerade aufhält und mit wem. Jeder kennt auch die Großeltern und Tanten und Onkel des jeweiligen Kindes, und sobald es irgendwo auftaucht, wird auch gefragt: 'Wie geht es denn dem Opa Soundso und der Tante Sonstwie?' Und wenn jemand stirbt, ist es klar, dass die Kinder zur Beerdigung mitmüssen! Sich drücken wird nicht geduldet.
Das hätte mal den Dortmunder Straßengören passieren sollen, die hätten sich schiefgelacht!
Die Menschen hier sind gut genährt und relativ wohlgestaltet. Sie sind nicht reich, aber überall spürt man einen durchgehenden mittleren Wohlstand.
Ich finde es ganz interessant, diese drei Gruppen für mich mal zu vergleichen. Bochum war Dortmund sehr ähnlich, aber angenehm gehobener als Dortmund.
Dorf - das ist mir erstmal völlig fremd. Und doch ist da etwas, was mich sehr verbindet. Ich habe irgendwo hier erzählt, dass meine Großeltern väterlicherseits aus dieser Region kommen. Ich habe noch starke Kindheitserinnerungen an den Hof meiner Urgroßeltern - hier! Manchmal habe ich das Gefühl, es ist wie "nach Hause" kommen. Ich betrachte dann die freundlichen, breiten Bauernhäuser, die alle irgendwie nach Schwein reichen, ich sauge dann die Luft ein - und bin glücklich!
Und wenn mich dann wieder eine junge Frau fragt: "Ja, wie hat es Sie denn nur vom Ruhrgebiet in das langweilige Daseburg verschlagen?", dann denke ich: Mädchen/Frau, du weisst gar nicht, wie glücklich ihr euch schätzen dürft! Ihr lebt hier in einem Paradies, in dem man nachts die Sterne noch sieht! Ihr lebt hier in einer noch guten Natur und in einem starken Verbund zwischen Menschen! Beides haben die Metropolen zu Gunsten ihres raschfliessenden Lebens geopfert. Ihr lebt hier eigentlich noch ein bisschen in einem guten Hobbitland, möge es ewig andauern! -- Und ICH lebe jetzt hier auch. :wink:

Lieben Gruß,
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Re: Neugestaltung Garten

Beitrag von Carolyn » Fr Jun 10, 2016 10:55

Mia hat geschrieben:Drei große Krabben, frisch in Olivenöl gebraten, würden mir ja schon reichen, mit einer winzigen, leckeren Salatbeilage. Oder etwas gebackener Schafskäse in Speck gewickelt, umgeben von frischen Kräutern, in einer Honigmarinade... Die nette Wirtin Ute aus dem Daseburger Hof kommt mit Rührei, Backofenpommes, und aus dem Frost aufgebratenen Schnitzeln daher... :doh: Also, ich bin leider fürchterlich verleckert und verwöhnt. Und hielt das über 30 Jahre für normal!
:lorl: :lorl: :lorl: Die Definition von "normal"! :lorl: :lorl: :lorl:
Deswegen formuliere ich den Satz inzwischen immer ein wenig anders: Für mich ist/war das normal. Das macht deutlich, dass für andere Menschen ganz andere Dinge normal sind/sein können. Es gibt eben keine universellen Wahrheiten. Nur muss man das immer wieder neu begreifen. :mrgreen:

Für mich ist eine Mischung aus "Dortmund" und "Dorf" normal. Gerade alte Bauern/Bäuerinnen sind hier oft sehr "zamgarbat" (wörtlich übersetzt "zusammengearbeitet"). Das dürfte in etwa dem entsprechen, das Du von den alten Leuten in Dortmund erzählst. Kinder laufen (bzw. liefen) halt nebenbei mit, sind sehr frei, für sie wird (wurde) sich nicht viel Zeit genommen. So bin ich auch aufgewachsen. Das erinnert auch an Dein Dortmunder Milieu. Von außen betrachtet bin ich für heutige Verhältnisse vermutlich arm aufgewachsen, auch wenn ich das nie so empfand, nichts vermisste und auch heute noch so empfinde.
Andererseits gibt es hier natürlich die klassischen Dorfstrukturen, sowohl früher als auch heute. Zumindest bei den Alteingesessenen kennt jeder jeden, weiß um die Verwandtschaftsverhältnisse und man kümmert sich um den anderen. Einerseits Sozialkontrolle andererseits ein soziales Netz, das einen auch auffangen kann.
Das bedeutet aber auch, dass man mit Intellektualität ("was soll das denn für ein Schmarrn sein?" *g*) und gehobenen kulinarischen Ansprüchen ziemlich skeptisch beäugt wird. Mit irgendwelchen tiefergehenden Gedankengängen oder gar philosophischen Überlegungen darf ich hier auch nicht kommen. Komplexe Gedankengänge, ein Blickwinkel aus Sicht von "großen" Firmen, Psychologie, das bleibt hier alles unausgesprochen. Vermutlich klappt es auch bezüglich meiner Homosexualität nur deswegen so gut, weil es jeder ignorieren kann, weil es kaum in Erscheinung tritt. Für alles das muss ich mir andere Umgebungen suchen.

Konzentrier Dich bei Deiner Kontaktaufnahme mit Deinen Nachbarn auf die Gemeinsamkeiten, die ihr habt. Eben z.B. Deine Großeltern und Deine Erinnerungen an Deine Kindheit. Stell nicht unbedingt die Aspekte in den Vordergrund, die Dich von ihnen unterscheidet. Sei für sie "normal", soweit es eben geht ohne dass Du Dich verbiegst. Vermutlich ist es auch eine gute Idee, wenn Du ein wenig von Deiner eigenen Familie erzählst. Und auch der "normale" Hund passt ja in dieses Schema. :lol: Du sollst Dich nicht ändern, nur Deine "Außendarstellung" der neuen "Kundschaft" anpassen! Der Rest ist dann eben privat. Ich hoffe nur, es gibt genug von Dir, dass in Deine neue Umgebung passt. Wenn die Leute erst mal der Meinung sind "die ist ja auch nicht anders als wir", dann akzeptieren sie auch nach und nach die "fremden" Teile (als persönliche Schrullen oder so *g*).
Mia hat geschrieben:Ihr lebt hier eigentlich noch ein bisschen in einem guten Hobbitland, ...
Jo, aber sprich das bloß nicht laut aus! Denn es ist doch "normal" in so einem Hobbitland zu leben. Nur jemand der anders ist, der nicht "normal" ist, findet das erwähnenswert! :wink:
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Re: Neugestaltung Garten

Beitrag von Mia » Fr Jun 10, 2016 20:06

Nein, ich werde das mit dem Hobbitland nicht aussprechen. Um Gotteswillen! Ich meine, die Älteren würden gar nicht wissen, was ich damit meine, aber von den etwas Jüngeren könnte es sogar als Beleidigung aufgefasst werden, im Sinne von "hinterwäldlerisch".
Ja, ich passe mich schon ein bisschen an. Ich werde ihnen auch keine Kleidung anbieten, die Verwunderung hervorrufen könnte, nur auf meine roten und pinkfarbenen Baskenmützen verzichte ich nicht! Bewusst habe ich mich hier auch als Altenpflegerin vorgestellt, und nicht als selbstständige Kunsthandwerkerin. Das habe ich sogar verschwiegen. Fiel aber doch auf, bei den ersten Besuchen von zwei Nachbarinnen. "Was? - Das hast DU gemacht? - Sieht ja toll aus!"
Sie haben mich dann umgekehrt eingeladen und mir ihre Näh- und Strick- und Dekoarbeiten gezeigt. Also: es wird schon! :wink:
Dann kann ich ja noch mal gelegentlich einflechten, dass ich katholisch getauft bin... ich muss ihnen ja nicht erzählen, dass ich mit 18 aus der Kirche austrat. :pfeif: Ich denke auch darüber nach, wieder einzutreten, wäre also nicht ganz falsch.

Heute geht es mir nicht gut.
Ich glaube, mein Blutdruck dürfte sich gerade wieder jenseits der 200 bewegen. Ich muss mir dringend ein Messgerät kaufen, warte aber aktuell noch, ob es nicht mal wieder eins beim Discounter im Sonderangebot gibt. Blöderweise habe ich die Dinger meiner Mutter alle weggeschmissen. Ahne ich denn, dass ich die mal selber für mich brauchen würde? - Und ja, ich bin in ärztlicher Behandlung!
Alles ist auch gemacht und untersucht, und ich muss 2 verschiedenen Pillen nehmen, nur TROTZDEM geht der Blutdruck manchmal unvermittelt hoch.
Heute war der Nachbar zur rechten mit seinem erwachsenen Sohn da, um mir zu helfen einen Zaun aufzustellen. Mein Nachbar zur linken war auch vor Ort. Drei Kerle, drei Meinungen. Und jetzt fangen die Vornamen zufällig alle mit A an. Der eine heißt Albert, der andere Adalbert, der Junge wird Addi genannt und mein Köter heißt Alladin. Ich musste mir schwer auf die Zunge beissen, nicht mal zwischendrin versehentlich zu rufen: "Adalbert, aus das Bellen!" "Addi! Du kommst an die Leine!" Oder: "Alladin, reich mir bitte den Hammer!" - War Stress.

Gehe jetzt in die Küche und erhitze mein vorbereitetes Abendbrot.
Es gibt Toast mit Gorgonzola und Birne und Walnüssen im Ofen gebacken. Die Toast liegen in einer weißen Tarteform auf etwas Olivenöl, und ich habe noch drei Scheiben Bacon darüber verteilt.

Ich bin auch so aufgewachsen wie Du, Carolyn. Ich finde, eigentlich ist es gut, wenn Kinder auch viel für sich machen müssen und nicht so wahnsinnig behütet sind. Wobei meine mir das zum Teil krumm nehmen. Gerade der jüngere Sohn beklagt sich: Mit 13 hätte er schon morgens um sieben oder acht alleine aufstehen müssen, und hätte nur ein vorbereitetes Butterbrot gefunden, mit dem er ganz allein da saß. Für mich war es normal. Ich bin mit 10 alleine aufgestanden, habe die unteren Räume in Ordnung gebracht und dann alleine gefrühstückt. Meine Eltern waren schon arbeiten. Und mit zwei Söhnen, die unterschiedliche Schulzeiten hatten, konnte ich jeweils nur wechseln. Der ältere war der frühere, der musste morgens schon um sechs raus. Habe ich den betreut, habe ich ab sieben nochmal eine Stunde geschlafen. Oder der ältere musste allein fertigwerden, dann stand ich um sieben oder acht mit dem jüngeren auf. Seine Schule begann oft erst um halb zehn.
Ich war damals selbstständig und musste ab spätestens neun in der Werkstatt sein.
Man kann einfach nicht von sechs bis neun einfach nur rumsitzen, Gesellschaft leisten und Brötchen schmieren!
Naja, so fassen das halt Kinder auf, und für meinen jüngeren Sohn war das eine Art Vernachlässigung.

Für heute einen lieben Gruß,
Mia
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Re: Neugestaltung Garten

Beitrag von Carolyn » Fr Jun 10, 2016 22:35

Och, ein Handarbeitshobby ist vollkommen ok. Sowas zwischendurch mal auf einem Künstlermarkt verkaufen auch. Aber damit seinen Lebensunterhalt bestreiten, da wird es suspekt. :lorl:

Blutdruck gut medikamentös einstellen, wenn er nicht konstant ist, ist schwer. Sobald Du ein Blutdruckmessgerät hast kannst Du mit Deinem Arzt reden, welches Medikament Du im Akutfall nehmen kannst. Mein Vater hat seine Tabletten quasi nur so genommen, gemessen und danach entschieden, was und wieviel und ob überhaupt er was nimmt. Hat gut funktioniert.
Ich sollte auch öfters mal messen... :roll: :pfeif:

Meine Mutter war schon Hausfrau und zu Hause, hat mich geweckt und verköstigt. Aber da war ja die Landwirtschaft, der Garten und das Kleinvieh. Wirklich Zeit hatte sie für uns Kinder nicht, aber als Ansprechpartnerin war sie da. Und ich hatte ja noch den Vorteil des Nesthäkchens, da hatte sich schon vieles entspannt.
Dieses ewige Rumkutschiert werden, das ich von vielen anderen kannte und kenne, das gab es aber halt nicht. Besuche und Freunde nur in fußläufiger Entfernung und da gab es nur drei andere Häuser. Ins Schwimmbad nur, wenn ich mit den Nachbarn mitfahren konnte (auch deswegen kann ich bis heute nicht schwimmen). Keine Einladungen zu Schulkameraden. Und schon gar kein Verein mit regelmäßigen Übungsstunden. "Hinterwäldlerisch" ist da kein sooo verkehrter Ausdruck, wenn man ihn auf die relative Abgeschiedenheit und Einsamkeit bezieht. Vermutlich komme ich auch deswegen bis heute nicht mit vielen Menschen gleichzeitig klar. Ich habe es nie gelernt.

Ich hoffe - für Dich und für ihn - dass Dein jüngerer Sohn irgendwann darüber hinauswächst Dir vorzuwerfen, was er nicht hatte und irgendwann sieht, was er hatte. :smile:
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Re: Neugestaltung Garten

Beitrag von Mia » Sa Jun 11, 2016 18:26

Das war eine schöne Antwort , Carolyn. :smile:
Aufbauend! - Danke!

Na, in meiner Kindheit war es schon so, dass ich zwar auch nicht gefahren wurde, selbst mit einem Tretroller oder Radfahren durfte ich nicht... aus Angst meiner Eltern vor den Autos, bis sich ein Vater zweier Schulfreundinnen ( Zwillinge) einmischte. Er erklärte meinen Eltern, dass es für meine Entwicklung schädlich sei, wenn ich so gehindert würde. Mit 10, 11, könnten Kinder durchaus mit einem Rad die Wege zum Schwimmbad oder zum Klavierunterricht selbst bewältigen, das würde er von seinen Mädels auch erwarten. Und da er Bauingineur war und in dem kleinen Vorort sehr angesehen, bekam ich tatsächlich ein Fahrrad.
Und damit ging es dann die sicherlich 9 Kilometer bis zum Freibad, immer im Pulk mit den Zwillingen und auch Jungs aus unserer Altersstufe. Zum Klavierunterricht musste ich sonst immer eine halbe Stunde laufen, mit dem Rad ging das jetzt deutlich schneller. Also: ich war beweglich geworden.

Eine der Zwillingsmädchen lebt übrigens seit längerer Zeit auch in Warburg. Immer wenn ich im Laden eine Frau mit blonden Haaren ( und einem halbwegs passenden Gesicht, einer halbwegs passenden Statur) in meinem Alter sehe, frage ich mich, ob das Petra sein könnte? Wie in meiner Familie kamen auch hier die Vorfahren eines Elternteils aus dieser Ecke. Und montags in der Straßenbahn, wenn wir zur Schule fuhren, haben wir uns immer über unsere Wochenendbesuche im Warburger Raum ausgetauscht. Ab der Quarta besuchten die Zwillinge einen anderen Zweig des Gymnasiums, der auch in einem anderen Ortsteil untergebracht war. Ich habe Petra also seit 45 Jahren nicht mehr gesehen.
Und einer der Jungs, mit denen wir zum Freibad radelten, liegt auf dem Dortmunder Friedhof meines Vorortes. Es gab noch mal eine sehr dichte Zeit mit den Zwillingen und gerade diesem Jungen, da war ich ungefähr 12,13. Das ging über Freizeiten der katholischen Kirche. Joachim ist dann auf meinen Zweig im Gymnasium gegangen und ich sah ihn öfter.

Ich war wirklich erschrocken, als ich im letzten Jahr sein Grab entdeckte. Seine Eltern kannte ich ja auch, kannte ihre Namen. Sie auf dem Grabstein zu entdecken verwunderte mich nicht. Aber dass Joachims Name darunter stand, mit seinem Geburtsdatum ( wie oft haben wir seinen Kindergeburtstag im Fetenkeller der Zwillinge gefeiert), hat mich tief erschüttert. Das war so ein intelligenter, blonder, wacher Junge!
Er muss mit 49 gestorben sein, an was weiß ich nicht. Tja, da geht man mal kurz 30 Jahre weg ---und schon sind alte Schulfreunde tot. :wink:

Lieben Gruß,
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